Rassistische Äußerungen beim Spiel FFUSV Jena gegen SC Sand

Für den USV Jena begann mit dem Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim vergangenes Wochenende die Rückrunde in der Fußball-Bundesliga. Zeit, noch einmal über Ereignisse vor dem Jahreswechsel zu reflektieren und zu überlegen, wie die Stadionkultur zukünftig gestaltet werden soll.
Nachdem Schiedsrichterin Dr. Riem Hussein einer Jenaer Spielerin die gelbe Karte zeigte, kam es beim Pokalviertelfinale am 15.12.2013 zu rassistischen Äußerungen gegen die Unparteiische durch einen Jenaer Fan. Er bezeichnete sie dabei als Türkin und beschimpfte sie, dass sie als solche nicht wisse, nach welchen Regeln in Deutschland gepfiffen wird.

Diese Aussage ist auf zwei Arten rassistisch: Erstens meint der Fan, aus dem Namen oder dem Aussehen der Schiedsrichterin auf ihre (vermeintliche) Nationalität oder Herkunft schließen zu können. Es besteht bei ihm also eine Vorstellung davon, wie eine Türkin aussieht oder heißt. Frau Hussein kann in seinem Denken nicht die deutsche oder eine andere, nicht türkische Staatsangehörigkeit besitzen. Außerdem verknüpft er diese zugewiesene Identität als Türkin damit, dass sie deshalb die Regeln des Spiels nicht kennt, obwohl Fußball überall gleich gespielt wird. Er setzt türkisch sein mit „dumm sein“ gleich.

Das große Problem ist aber nicht dieser vermeintlich Einzelne: Die einzige Reaktion auf seinen lauten, deutlich für viele hörbaren Kommentar waren ein paar wohlwollende Lacher. Leider konnte ich nicht nachvollziehen, von wem die rassistischen Äußerungen kamen. Aber es gab definitiv ein näheres Umfeld an Menschen, die hätten reagieren können. Das ist das eigentlich Problematische: Der akzeptierte, mehrheitlich geteilte Alltagsrassismus. Und darüber hinaus, dass Andere, denen dieser ebenso wie mir aufstößt, einfach weghören. Dies resultiert sicherlich auch daraus, dass es keine deutliche, für alle ersichtliche Abgrenzung Seitens des Vereins von menschenfeindlichen Einstellungen gibt. Deshalb ist nicht klar, ob Menschen, die diskriminierendes Verhalten offen und direkt anprangern, durch Ordner_innen Schutz erwarten können oder ob die Stadionpolitik vorsieht, dass Personen mit menschenfeindlichen Einstellungen des Stadions verwiesen werden. Dies alles kulminiert in der Praxis zum faktischen Konsens: Rassismus ist akzeptabel oder wird zumindest hingenommen.

In der vorherrschenden Fankultur beim Fußball baut die Unterstützung des eigenen Teams meist auf der Abwertung des anderen Teams in Fangesängen und Schmährufen auf. Auch die Schiedsrichter_innen werden oft Bezugspunkt für abwertende Kommentare. Das allein macht die Fankultur unsympathisch und zeigt, dass es nicht primär um ein gemeinsames Spaßerlebnis geht, sondern um individuellen Frustrations- oder Aggressionsabbau. Bei der Abwertung der Anderen wird dabei oftmals auf die üblichen Diskriminierungsmuster zurückgegriffen. Je populärer der Frauenfußball wird (sofern er es denn wird), desto mehr wird diese Fankultur des Männerfußballs mit all ihrem Sexismus, Rassismus, dem Antisemismus, der Trans- und Homophobie sowie andere menschenfeindliche Einstellungen meines Erachtens nach auch in den Frauenfußball getragen. Denn Zielgruppe für die Vermarktung von Frauenfußball werden wohl kaum Menschen sein, die sich allgemein nicht für Fußball interessieren, sondern diejenigen, die bisher nur zu Spielen der Männer gehen. Und mit ihnen kommt ihre „Fankultur“.

Um dies zu verhindern, dass also der Frauenfußball endet wo der Männerfußball gerade steht, müssen klare Positionierungen gegen Diskriminierungen jeder Art durch die Fans, aber ebenso durch Spielerinnen und Vereine erfolgen. Es gilt, sich öffentlich klar erkennbar mit Dr. Riem Hussein zu solidarisieren, wozu ich hiermit auffordere! Außerdem muss eine klare Stadionpolitik intern mit den Ordner_innen, sowie nach außen zu den Stadionbesucher_innen kommuniziert werden. Dadurch kann ein Klima entstehen, in dem diskriminierende Äußerungen Einzelner durch andere Fans als solche benannt werden können.

Keinen Platz den Rassist_innen!

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