AfD aus queer feministischer Perspektive kritisieren

Am 3.4. fand im Schwarzen Bären in Jena eine Veranstaltung der AfD statt. Als Rednerin trat Beatrix von Storch auf, Listenplatz 4 für die Europawahl. Beatrix von Storch hat aber neben ihrer Parteitätigkeit auch andere Ämter inne, auf die wir mit einem Flyer am Veranstaltungsort aufmerksam gemacht haben:

Die allermeisten Kritiken an der AfD problematisieren primär deren nationalistische und rassistische Einstellungen. Diese Kritiken sind wichtig, da diese Haltungen im medialen Diskurs kaum thematisiert werden. Das Beispiel Beatrix von Storch zeigt, dass die AfD darüber hinaus antifeministische, homo-, trans* und inter*phobe Einstellungen unter sich vereint. Wir denken, dass diese ebenso öffentlich gemacht und in die Kritik aufgenommen werden müssen.

Beatrix von Storch ist im Vorstand der Initiative Familienschutz (familien-schutz.de1). Diese tritt als Mitveranstalterin der homo- und transphoben Demonstrationen gegen den baden-württembergischen Bildungsplan in Stuttgart auf. Der Plan sieht eine stärkere Sichtbarkeit von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und queeren (LSBTTIQ*) Lebensrealitäten im Schulunterricht vor. Dagegen formiert sich Widerstand in einem Bündnis aus konservativen, christlichen und rechten Organisationen; auch NPD-Mitglieder tauchen auf den Demonstrationen auf. Ihre LSBTTIQ*-feindlichen Einstellungen verstecken die Bildungsplangegner_innen dabei hinter Floskeln wie „Gegen Frühsexualisierung“, welche an den Zielen und geplanten Änderungen des Bildungsplans bewusst oder unbewusst völlig vorbeigreifen. Ganz gleich, ob einzelne Anhänger_innen wirklich glauben, dass die Erwähnung von gleichgeschlechtlichen Eltern in Büchern eine „Sexualisierung“ darstellt oder ob es eine bewusste Strategie ist: Es ist homophob.

Die Demonstrationen wenden sich außerdem gegen die von ihnen sogenannte „Genderideologie“, welche den Kindern aufgezwungen werden solle. Nicht nur, dass hier offener Antifeminismus propagiert wird, es wird auch verschleiert, dass die Schule immer schon ein Ort ist, an dem implizit wie explizit politische Einstellungen vermittelt werden und sie damit keine „neutrale Instanz“ sein kann.

Immer wieder beteuern die Wutbürger_innen in ihren Aufrufen, „nichts gegen Homosexuelle“ zu haben, diese sollen ‚nur‘ „nicht versuchen, ihre Lebensweise als Normalität darzustellen“. Genau mit solchen Aussagen und ihrem Rekurs auf Normalität (=Durchschnitt) und damit eine ‚natürliche Heterosexualität‘ zeigt sich die Homophobie der Beteiligten offen als Motivation für den Protest. Homosexualität (und alle anderen LSBTIQ*-Lebensweisen) sollen weiterhin marginalisiert und ausgegrenzt werden. Hetzerisch reden sie sich eine „Unterdrückung der Mehrheit durch die Minderheit“ herbei, die Verfolger_innen werden in ihrer wahnhaften Vorstellung zu Verfolgten. Diese Argumentation bereitet den Boden für einen gewalttätigen Mob: Die deutsche, heterosexuelle Mehrheit sieht wieder einmal ihre ‚Normalität‘ bedroht und erfindet eine Legitimation, andere Identitäten und Lebensweisen zu unterdrücken. Zu allem Überfluss nennen die Organisator_innen ihre widerlichen Veranstaltungen auch noch „Demonstration für Alle“.

Beatrix von Storch ist Verfechterin solcher Positionen. Also:
AfD entgegentreten! – LSBTTIQ* mitdenken! – Allerta femminista!

Neben zustimmendem Nicken aus den Reihen der Gegendemonstrant_innen und der Frage von einer_m Besucher_in, was denn „quer“ bedeute, wurde der Flyer mit viel Pathos auch in einem Zigarettengespräch vor dem Eingang des Schwarzen Bären unter Sympathisanten (sic!) verlesen. Es ist ja schon ein bisschen widerlich, wenn Alte Herren™ , ausgestattet mit allen gesellschaftlich möglichen Privilegien, sich darüber lustig machen, dass andere diese Privilegien nicht haben und Gleichbehandlung aller fordern..

  1. Aus sicherlich nachvollziehbaren Gründen verlinken wir natürlich nicht direkt auf diese Seite. Wenn ihr dennoch mal schauen wollt, was die da so verzapfen, dann einfach: copy&paste! [zurück]