Für Anregungen, Anmerkungen, Ideen, Fragen, Kritik etc. schreibt an: allerta_femminista[at]gmx[dot]de

„It’s not time, to call the whole thing off, it’s not time to go home.“

the preacher and the bear: patriot

Wir sind ein Kollektiv von Menschen, die sich mindestens darüber einig sind, dass feministische Kritik weiterhin und dringend notwendig ist. Wir alle leben in Jena und sind der Meinung, dass diese Stadt deutliche feministische Interventionen gut vertragen kann. Unser Handeln geht deshalb auch über die Grenzen dieses Blogs und des Internets hinaus; in welcher Form, entscheidet sich für uns von Thema zu Thema. Unser Ziel ist eine emanzipatorische Politik, die immer auch weitere Herrschaftsverhältnisse in den Blick nimmt. Wir kritisieren damit Unterdrückungsmechanismen, von denen wir zweifelsohne teilweise selbst profitieren.

Feministische Kritik ist für uns die Kritik an der weiterhin bestehenden Geschlechterhierarchie zwischen Männern und Frauen. Es gibt bestimmte Erwartungen an Männer und Frauen, wie sie zu sein und was sie zu tun haben, dabei stehen diese männlichen und weiblichen Eigenschaften immer in einem hierarchischen Verhältnis zueinander, über das Weiblichkeit abgewertet wird. Beispiele sind rational – emotional, aktiv – passiv, stark – schwach. Dabei gelten Frauen als Ware, werden verkauft, gekauft, als wertvolles Eigentum präsentiert und so zum Objekt degradiert. Männer haben auf Frauenkörper zunächst einmal uneingeschränkten Zugriff und die Definitionsmacht über sie. Diese klaren Vorstellungen davon, was männlich und was weiblich ist, erzeugen bei Männern bzw. Frauen Zwänge und den Druck, diesen Ansprüchen zu entsprechen. Wer in diese Ordnung nicht hineinpasst, wird abgewertet und diskriminiert. Wir kämpfen deshalb für ein diskriminierungsfreies Miteinander aller möglichen Geschlechtsidentitäten!

Es herrscht zudem die Ansicht, die beiden gültigen Geschlechter müssten sich in ihrem Begehren immer und ausschließlich aufeinander beziehen. Die heterosexuelle, monogame Zweierbeziehung und ihre institutionalisierte Form, die Ehe, bilden die Grundeinheit für die Organisation des kapitalistischen Systems. Alle Begehrensformen, die diesem Prinzip nicht entsprechen, werden abgewertet und pathologisiert. Wer heterosexuell und monogam leben möchte, kann und soll das gern tun. Wir möchten in einer Gesellschaft leben, in der polymorph perverse Begehrensentwürfe gleichberechtigt neben heterosexuell-monogamen Liebesbeziehungen existieren können, in der Menschen keinen Sex haben müssen, um als ‚normal‘ zu gelten und in der es egal ist, welches Geschlecht die Menschen haben, mit denen wir uns verbinden. Anerkennung aller L(i)ebensformen!

Durch die Vorstellung, Menschen könnten nur Mann oder Frau sein, entsteht auch die Ansicht, Körper müssten immer einem der beiden Geschlechter entsprechen. Körper, die nicht in diese zweigeschlechtliche Logik passen, werden deshalb als unnormal und pathologisch eingeordnet. Inter* Menschen etwa werden zwanghaft einem Geschlecht zugeordnet und ihre Körper uninformiert und ungefragt operativ und medikamentös zugerichtet. Trans* Menschen müssen herabwürdigende Prozeduren über sich ergehen lassen, um in ihrem gewählten Geschlecht leben zu können. Wir solidarisieren uns mit den Forderungen von inter* und trans* Menschen und fordern uneingeschränkte Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das Geschlecht!

Auch Menschen, die nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen und/oder körperlich anders befähigt sind als die als ‚gesund‘ definierten Menschen, sind je spezifischen Diskriminierungen unterworfen. Sie entsprechen nicht der Vorstellung von dem, was als ‚normaler Körper‘ gesetzt wird. Die Diskriminierung der Körperformen trifft alle Menschen (Fitnesswahn), stärker sind jedoch Frauen betroffen. In besonderer Weise wirken diese Schönheitsideale auf dicke Frauen: Die oben bereits angesprochene Objektivierung von Frauenkörpern zur Ware führt zu dem Zwang, jung, schlank und hübsch zu sein (was auch immer diese einzelnen Ansprüche meinen) und stellt damit ihre Besonderheit und Individualität in krasser Weise in Frage. Die Diskriminierung der Körperfähigkeiten zeigt sich darin, dass nur ‚gesunde‘ Körper umfassende Partizipationsmöglichkeiten in unserer Gesellschaft haben. Selbst bei Veranstaltungen, die ausdrücklich barrierefrei sein sollten, bezieht sich dies meinst nur auf die Möglichkeit, mit dem Rollstuhl Zugang zu haben, berücksichtigt dabei aber regelmäßig keine anderen Barrieren. Allen von der Norm abweichenden Körpern wird unterstellt, sie seien weniger leistungsfähig. Wir kämpfen für die Anerkennung aller möglichen Körper und die Möglichkeit zur uneingeschränkten Partizipationsmöglichkeit an der Gesellschaft!

Solange weiterhin Menschen aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert werden, bleiben Antirassismus und Antifaschismus wichtige Bestandteile herrschaftskritischer politischer Arbeit. Die Logik der kapitalistischen Gesellschaft basiert auf einer Leistungsideologie, die alle Menschen in ihr in die Pflicht nimmt. Der Leistungsgedanke bezieht sich nicht nur auf Humankapital und Arbeitsverhältnis, sondern wird auch jenseits davon, beispielsweise in Freizeitaktivitäten, reproduziert. Der daraus folgende Druck erzeugt bei der*m Einzelne*n die Angst vor dem eigenen sozial-ökonomischen Abstieg. Aus dieser Angst heraus erscheinen vermeintliche ‚Fremde‘, also nicht-weiße oder nicht-deutsche Personen, als Bedrohung. Rassismuskritik bedeutet für uns aber nicht nur, Nazis zu blockieren oder den Kapitalismus überwinden zu wollen, sondern auch, das eigene Weißsein und die daraus resultierende gesellschaftliche Position zu reflektieren. Refugees welcome, bring your families!

Solange alle diese Missstände nicht überwunden sind, braucht es feministische Intervention, die diese anprangern und bekämpfen.
Allerta Femminista!!